Philosophie

Neuer Gesellschafter gefunden, Betrieb geht weiter

Sattler Media Press führt Betrieb fort – und übernimmt einen Großteil der Belegschaft


Von Tarek Abu Ajamieh, 29. August 2015

 

Hildesheim. Die drohende Schließung der Firma Gerstenberg Druck ist abgewendet – ein Großteil der 50 Mitarbeiter behält seine Jobs. Das Druckerei-Unternehmen Sattler Media Press mit Sitz in Hornburg und Magdeburg übernimmt die Firma im Bavenstedter Gewerbegebiet – und mit ihr knapp 40 Mitarbeiter. Möglich wird das auch, weil sich der bisherige Eigentümer an Investitionskosten für die Neustrukturierung beteiligt. Aus der Geschäftsführung der Gebrüder Gerstenberg GmbH & Co. KG hieß es, man sei zuversichtlich, dass die Druckerei vor einer guten Zukunft stehe.

Auch der Betriebsrat zeigte sich gestern erleichtert und zufrieden. Schließlich hatte die Belegschaft noch vor wenigen Wochen mit dem Aus für den Betrieb und damit für ihre Arbeitsplätze rechnen müssen. Die Eigentümer hatten angekündigt, die Firma zum Jahresende zu schließen, sollte kein Käufer gefunden werden (diese Zeitung berichtete).

Martin Koschei, geschäftsführender Gesellschafter des neuen Eigentümers, führt künftig zusammen mit den bisherigen Gerstenberg-Druck-Führungskräften Stephan Grube und Markus Lederhaus die Geschäfte in Bavenstedt. Er lobte gestern ausdrücklich „das große Engagement aller Beteiligten, nicht zuletzt der Mitarbeiter, das dieses Ergebnis ermöglicht hat“. Das Trio gestand aber auch ein, dass ein glücklicher Zufall bei der Übernahme ebenfalls eine gewichtige Rolle spielte. Sowohl Gerstenberg Druck als auch Sattler Media Press waren Ende Juni auf der Fachmesse „Co Reach“ in Nürnberg vertreten. Dort besuchte ein Sattler-Mitarbeiter den Gerstenberg-Stand, um über die gemeinsame Bearbeitung eines Kundenauftrags zu sprechen. „Ich habe ihm erzählt, dass bei uns die Schließung droht. Wenige Minuten später stand Herr Koschei bei uns am Stand“, erzählt Stephan Grube.

Kurz darauf meldete sich Koschei bei Michael Rabe, dem Interims-Geschäftsführer von Gerstenberg Druck. Schnell wurde deutlich, dass eine Zusammenarbeit zustande kommen könnte. „Gerstenberg Druck kann vieles machen, was wir bislang ablehnen oder an andere Firmen weitergeben müssen“, erklärt Koschei. „Zudem haben wir teilweise die gleichen Kunden.“ Als Beispiel nannte er Rossmann. Sattler druckt für das Drogerie-Unternehmen – wie auch für mehrere große deutsche Einzelhändler – Werbebeilagen in Millionen-Auflagen. „Gerstenberg druckt für Rossmann Gutscheine – künftig können wir mehr Leistungen aus einer Hand anbieten. Und es gibt noch viele weitere Beispiele“, so Koschei. „Für uns war deshalb schnell klar, dass wir diese Chance nicht verstreichen lassen wollten.“

Die Entscheidung wurde ihm dadurch erleichtert, dass die bisherigen Eigentümer bereit waren, statt in die Schließung in den Erhalt des Unternehmens zu investieren. „Diese Zusage wurde im Juni für den Fall der Fälle gegeben, und man hat Wort gehalten“, lobte der künftige Mit-Geschäftsführer Markus Lederhaus.

Zwölf Mitarbeiter bekommen allerdings die Kündigung. „Einerseits sind wir froh, dass es für die meisten weitergeht, andererseits bedauern wir sehr, dass nicht alle bleiben konnten“, sagt Betriebsratsvertreter Burkhard Becker. Allerdings sehe der Sozialplan um 50 Prozent höhere Entschädigungen als im Fall der Schließung vor.

Gerstenberg Druck ist ab dem 1. September eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Sattler Media Press. In der nächsten Woche soll ein neuer Name für die Firma bekanntgegeben werden.


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